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22.09.2015

Warum es Amerikaner waren

Betitelte der Kommentator der renommierten „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) seinen Bericht zum vereitelten Attentat auf den Thalys-Zug am 21. August 2015. Der Zug, der sich auf dem Weg von Amsterdam nach Paris befand, machte in Brüssel Zwischenstation, als ein Attentäter zustieg (…). Nachdem der Zug die belgisch-französische Grenze erreichte, suchte der Attentäter die Bordtoilette auf - als er diese verließ eröffnete er das Feuer auf die Fahrgäste (…).

Während das Zugpersonal Fersengeld gab, stellten sich ein 28-jähriger Franzose und ein 51-jähriger Professor dem Attentäter entgegen. Ihr Versuch diesen zu überwältigen misslang jedoch. Nun ergriffen drei junge Amerikaner die Initiative (…) und rangen den Attentäter mit Hilfe anderer Personen unter Einsatz ihres Lebens nieder und schlugen ihn bewusstlos. Ohne ihre Courage hätte sich der Zug in eine Todesfalle verwandelt!

Für den Kommentator der FAZ ist es kein Zufall, dass es sich bei zwei der Amerikaner um Soldaten gehandelt hat. Die Bereitschaft, sein Leben für andere zu riskieren, sei ja quasi Berufsvoraussetzung. Hierzulande wird dieser Aspekt des „Soldatseins“ gerne verdrängt. Der Kommentator vermutet, dass auch deutsche Fallschirmjäger oder französische Fremdenlegionäre ähnlich gehandelt hätten.

Zu ergänzen ist: Auch österreichische Jagdkommandosoldaten! Denn wie bekannt wurde, haben drei österreichische Soldaten (die ihren Auslandseinsatz in Afghanistan absolvieren) am 7. August 2015 ihr Camp bei einem Angriff gemeinsam mit anderen Soldaten der internationalen Friedenstruppe verteidigt. (…) Ein Österreicher wurde dafür mit dem Bronze Star für Tapferkeit, ausgezeichnet und seine beiden Kameraden ebenfalls für eine Auszeichnung vorgeschlagen (siehe Rundschau S. 418).

Der Kommentator der FAZ stellte treffend fest: Terroranschläge (...) sind schwer vorhersehbar und überall auf der Welt jederzeit möglich. Aber: Nicht immer, wenn (…) jemand einen Anschlag ausführt, werden kampferprobte Soldaten in der Nähe sein.

In Österreich befindet sich, dem Ausgang der Volksbefragung vom 20. Jänner 2013 zum Trotz, die Bereitschaft zum Dienst im Militär und zum selbstlosen soldatischen Einsatz immer mehr im Rückzug. Was passiert jedoch, wenn wir diese benötigen?

Hans Wirrer, Ehrenpräsident des Salzburger Kameradschaftsbundes


16.09.2015

Leserbrief zu TD 4/2015 - Thema: „2015 - ein besonderes Jahr“ von Vzlt Franz Peer

„Ans Vaterland, ans teure schließ´ dich an, das halte fest mit deinem ganzen Herzen! Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft.“ Du hast Recht, Kamerad Franz Peer, in Deiner Funktion als Kommando-UO der Streitkräfte (in Vertretung; Anm.), wenn Du die erschreckende Unwissenheit der Präsenzdiener, aber auch des jungen Kaders über die Geschichte Österreichs ansprichst.

Mit obigem Zitat aus Schillers Wilhelm Tell, wird man aber im 21. Jahrhundert auch keinen Staat machen. Wie auch? Die Politik und deren Vertreter, scheinen mehr und mehr unglaubwürdig und stärker der EU verpflichtet als dem eigenem Vaterland (…). Das Heer, hin und her gebeutelt zwischen „zum Sterben zu viel, und zum Leben zu wenig“ und einer Volksbefragung, bei der das „Ja oder Nein“ zur allgemeinen Wehrpflicht, mit der Frage der Zukunft des Zivildienstes verbunden wurde. Politische Themen werden nicht alle Soldaten interessieren. Was aber jeden Soldaten berühren und interessieren sollte, ist das Schicksal seiner Altvorderen, die auch den Soldatenrock getragen haben.

Eine geschichtliche Betrachtung muss die „Alte Armee“ der Monarchie ebenso einschließen, wie jene der Zwischenkriegszeit. Aber auch die Zeit nach dem Anschluss an Hitler-Deutschland darf nicht verschwiegen werden. Der einfache österreichische Soldat - obwohl es Österreich nicht mehr gab - war zwangsverpflichtet und hatte keine Wahl, ob er der Wehrmacht dienen wollte oder nicht. Mit dem Verlust seiner Jugend, Gesundheit und oft des Lebens hat er dafür einen hohen Preis bezahlt. (…)
Das Feuer der Vaterlandsliebe (…) ist schwer zu entfachen.

Dazu bedarf es keiner Sonntagsreden, sondern Taten. „Taten“ sind kompakte Kompanien im Verbund mit dem übergeordneten Truppenkörper, eine fordernde einsatzorientierte Ausbildung der jungen Staatsbürger, ausgestattet mit modernen Waffen, guter Infrastruktur. Und das Wichtigste: Ausbilder und Vorgesetze mit Vorbildcharakter. Eine „Tat“ wäre aber auch - hier ist die Politik gefordert - ein uneingeschränktes „Ja“ zur bewaffneten Macht (die Betonung liegt auf „bewaffnet“).

Zum Schluss mein Credo: Motiviertes, selbstbewusstes und hochqualifiziertes Kader, als „personifiziertes Bundesheer“ vor und als Gruppen-, Zugs- und Kompaniekommandant ran an die Ausbildung! Dann schließt sich der Kreis, damit der junge Soldat (trotz stiefmütterlicher Behandlung des Bundesheeres) am Ende seines Dienstes im Heer sagen kann: „Jetzt verstehe ich besser was Österreich ist, was es war, und was es mir bedeutet.“

Vizeleutnant i. R. Peter Walch


13.08.2015

(TD 3/2015) Richtigstellung "Die Neuausrichtung der Miliz im ÖBH2018"

In dem Artikel befindet sich (auf der Seite 229) eine Grafik, welche die Struktur der selbstständig strukturierten Jägerbataillone (sbst strukt JgB) darstellt. Hier wurde die Abkürzung Jgb (Richtig: JgB) verwendet und der IZg (Instandsetzungszug), der ein Teil der Stabskompanie ist, nicht angeführt. In der Tabelle auf derselben Seite wird die Mobverantwortung im ÖBH2018 beschrieben. Hier wurde die Abkürzung „Kathilfeeinheit ABCAbw/AFDRU“ verwendet, die für  Katastrophenhilfeeinheit steht.

Die Redaktion


19.06.2015

Leserbrief zu TD 2/2015 - Thema: "Der Schlüssel zur Attraktivierung des Bundesheeres" Geschichte

Ich kann beim besten Willen mit dem Schalmaienklang der Attraktivierung des Grundwehrdienstes nichts anfangen. Ich möchte das am Beispiel der Jägertruppe - jener Waffengattung, deren Soldaten „draußen“ und vorne sind und für den „Ernstfall“ ausgebildet werden - darstellen.  

Die Ausbildung dort ist körperlich fordernd und die Soldaten sind bei jedem Wetter in der Natur, oft weit weg von einer behaglichen Unterkunft. Da ist es schnell vorbei mit lustig und mit der „Attraktivität“. Dennoch braucht es dort keine 180 Maßnahmen und 40 000 Fragebögen, sondern: Kompakte Kompanien aus einem Guss, als überschaubare militärische Heimstätte für Rekruten. Züge, die sich im Wettstreit gegenseitig fordern, Schieß- und Übungsplätze in Garnisonsnähe sowie das Kennenlernen aller Winkel und Berggipfel im Bundesland. So wird der Waffenstolz und jenes Selbstbewusstsein erzeugt, das für jeden Soldaten wesentlich und lebensnotwendig ist.

Konrad Lorenz bringt es auf den Punkt, wenn er in seinen „Acht Todsünden der zivilisierten Menschheit“ vom Schwund aller starken Gefühle und Affekte durch Verweichlichung schreibt und dem Fortschreiten von Technologie und Pharmakologie die Schuld zuweist, eine zunehmende Intoleranz gegen alles im geringsten Unlust erregende zu fördern. Er meint, dass die Fähigkeit der Menschen jene Freude zu erleben schwindet, die nur durch herbe Anstrengung beim Überwinden von Hindernissen gewonnen werden kann. Das ist die Vorgabe - der einzige Weg, gleich ob ihn viele oder einige gehen wollen.

Wenn der Zeitpunkt der Soft-Welle im Bundesheer nicht zum Ziel führt, nämlich junge Männer und Frauen (auf freiwilliger Basis) zum Dienst an Volk und Vaterland zu gewinnen, muss man umdenken. Es muss auch in Zukunft möglich sein, das Leben eines Soldaten real, wenn auch nur für kurze Zeit in Form des Präsenzdienstes zu verwirklichen.

Es sollen sich die Geister scheiden! Lieber Kämpfer heranbilden, als „Kanonenfutter“ oder „Halbsoldaten“. Der Gewinn für den Staat ist eine einsatzbereite Truppe - für den Einzelnen: Selbstbewusstsein und Lebenserfahrung. Beides kann man nicht kaufen. Ein Zitat: Harte Ausbildung, leichter Kampf (Suchorov). Bleibt da noch Platz für „Attraktivität“, für die programmierten 180 Maßnahmen? Die Vorgaben für das Bundesheer müssen aus der Politik, der Anstoß aber von den höchsten Militärs kommen. Wer traut sich diesen Weg zu gehen, das ist die Frage.

Vizeleutnant i. R. Peter Walch


09.06.2015

Leserbrief zu TD2/2015 - Thema: "Die Jägertruppe - Ursprung und Geschichte"

Eine Anmerkung zu dem ausgezeichneten und informativen Beitrag von Brigadier Ernst Konzett zur Entwicklung der österreichischen Jägertruppe:

Die Gebirgstruppen trugen keine Auerhahnfeder an der Kappe, sondern den Hahnenstoß des Spielhahnes (Birkhahn). Zum Vergleich dazu: beispielsweise das Buch von Heinz von Lichem zur Geschichte der Tiroler Kaiserschützenregimenter, das unter dem Titel „Spielhahnstoß und Edelweiß“ erschienen ist.

Major Bernd Huber


Wir bedauern den Irrtum. Es ist  eine Feder vom großen Stoß des Birkhahnes (kleiner Hahn) und nicht des Auerhahnes (großer Hahn), wie im Beitrag fälschlich angegeben.

Die Redaktion


04.05.2015

Zu Tode reformiert, ist auch reformiert

Ich beziehe den TRUPPENDIENST seit 1962, war sieben Jahre aktiv und 18 Jahre Milizunteroffizier. Da wieder einmal eine Reform in aller Munde ist, habe ich darüber nachgedacht, was mit den bisherigen erreicht wurde. (…)

Ich habe 1961 meinen Präsenzdienst bei der 9. Panzergrenadierbrigade angetreten. Rückblickend war diese Zeit (1956 bis 1962), trotz aller Mängel, die für mich effektivste des Bundesheeres. Neue Präsenzdiener rückten bei ihrer Einheit ein, wurden ausgebildet und verblieben dort bis zum Ende ihrer Wehrpflicht. Mit dem vorhergehenden Einrückungstemin gab es bei der Einheit immer ausgebildete Präsenzdiener. Das Kaderpersonal bestand aus erfahrenen B-Gendarmen, kiegsgedienten Unteroffizieren und zvS (zeitverpflichtender Soldat; Anm.). Dass Waffen und Gerät von den ehemaligen Besatzungsmächten stammten, spielte keine Rolle. (…)

Mit der Reform im Jahre 1962 begann für mich der Niedergang des Bundesheeres. So wurde z. B. ein Panzerbataillon vom Einsatz- zum Ausbildungsverband. Dies hatte zur Folge, dass sich viele zvS nicht weiterverpflichteten und neues Kaderpersonal schwer zu gewinnen war. Wer wollte schon viermal im Jahr außer „Rechts-um!“ nichts Militärisches mehr machen? Hatte man einen Präsenzdiener ausgebildet, wurde dieser versetzt und ein neuer Rekrut kam an seine Stelle. Die in der Grundausbildung entstandene Kameradschaft wurde zerrissen, die Soldaten zu anderen Kompanien, manchmal in andere Garnisonsorte, versetzt.

Etwa 1967 kam der nächste Schlag. Aus finanziellen Motiven wurden die 3. Kompanien in den Bataillonen stillgelegt und andere Einheiten zusammengelegt („Sparpaket“ des ÖBH 1968 bei dem insgesamt 30 Kompanien gestrichen wurden; Anm.). Die Auswirkung auf die Motivation des Kaderpersonals war schlecht. (…) Bei der „Tschechenkrise“ (Niederschlagung des „Prager Frühlings“ durch Truppen des Warschauer Paktes; Anm.) begann sich die Politik direkt in Heeresangelegenheiten einzumischen. Aus Angst vor dem „russischen Bären“ ordnete die Politik - nicht das Heer - den Einsatz im Hinterland und nicht direkt an der Staatsgrenze an. Die Bevölkerung der Grenzregion fühlte sich von der Armee im Stich gelassen. Als sich dann ein bekannter Politiker über das Bundesheer lustig machte und ihm jede Existenzberechtigung absprach, kam das ÖBH bei weiten Teilen der Bevölkerung in ein schlechtes Licht.

Nun kam zu den Budgetkürzungen noch der Wahlkampfschlager „6 Monate sind genug“. Die Umsetzung erfolgte mit einer Wehrgesetzänderung und machte eine Reform nötig. Diese trat als Heeresgliederung 1972 in Kraft und regelte die Durchführung des 6-Monate-Präsenzdienstes und der 60-Tage-Truppenübungen. Die Aufstellung der Bereitschaftstruppe und der Landwehr hatte wieder negative Auswirkungen auf die Motivation des Personals. Mehr Geld gab es natürlich nicht.

In der „heißen Phase“ der Raumverteidigung ging es, Ende der 70er Jahre, wieder aufwärts. Die Übungen erschienen sinnvoll und zeigten Fortschritte im Hinblick auf Organisation und Ausbildung. In Österreich belächelt, wurde die damalige Verteidigungsdoktrin im Ausland als wirkungsvoll betrachtet. Nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Ende des Warschauer Paktes kam es 1991 zur Jugoslawien-Krise. Dabei fanden auch Kampfhandlungen an der Grenze zu Österreich statt. Hier versagte die politische Führung. Anstatt die Miliz aufzubieten, wofür sie jahrelang geübt hatte, wurden „frisch“ ausgebildete Jungmänner eingesetzt. Weder die Bewohner der Grenzregion, noch der Großteil der Bevölkerung verstand dies. Das brachte die Miliz insschiefe Licht, wofür sie nichts konnte.

Mittlerweile hatte sich der Warschauer Pakt aufgelöst, Deutschland war wiedervereinigt und einige ehemalige Ostblockstaaten waren der NATO beigetreten. (…) Das Heer wurde aufgrund der fehlenden unmittelbaren Bedrohung wieder in Frage gestellt, die finanziellen Mittel gekürzt. Eine neue Reform musste in Form der Heeresgliederung NEU (1992 beschlossen - einzunehmen bis 1995; Anm.) her. Das Raumverteidigungskonzept wurde ad acta gelegt, die Landwehrverbände aufgelassen und neue Truppenteile gebildet. 1998 wurde die 9. Panzergrenadierbrigade aufgelöst (Strukturanpassung 98; Anm.), ebenso die Reserveeinheiten für Kaderübungen. Als Ersatz sollte in jedem Bundesland ein Milizbataillon aufgestellt werden. Auf die Miliz konnte nicht mehr zurückgegriffen werden. Natürlich gab es auch weniger Geld.

In weiterer Folge kam es zu endlosen Diskussionen, welche Waffen, Geräte oder Kasernen man behalten, verkaufen bzw. verschrotten sollte. Positives ist dabei nicht herausgekommen, aber Sätze wie „Zu viele Häuptlinge bei zu wenigen Indianern“, wurden wieder aufgewärmt. Am 27. Jänner 2004 kam ein „vernichtender Schlag“ für das Bundsheer. Aufgrund einer Ministerweisung wurden die Truppenübungen bis 2005 ausgesetzt - seitdem gibt es sie nicht mehr. Es war so weit: Das Bundesheer bildet Soldaten aus, auf die es nie mehr zurückgreifen will. Waffenübungen leisten in der Regel nur Offiziere ab, die Milizbataillone sind nur leeres Papier. (…) 2004 präsentierte die Bundesheerreformkommission ihre Ergebnisse, die 2005 umgesetzt werden sollten. Mehr Personal und Material bei einem wieder gekürzten Budget. (...) Unterm Strich ist keine Verbesserung erkennbar. Dann kamen auch noch die Auslandseinsatzsoldaten in Verruf. Ungeachtet dessen, dass sie bei internationalen Militärs angesehen sind, kam es beim Abzug vom Golan zu Missverständnissen. Militärische Gründe sind dabei anzuerkennen. Den teilweise verächtlichen Medienberichten hätte das Bundesheer (nicht der Minister) widersprechen müssen.

Nun kam die Volksbefragung 2013. Berufsheer oder Wehrpflicht? Sagte die eine Partei A, musste die andere B sagen. Konkrete Vorstellungen über eine mögliche Struktur und deren Finanzierung hatte allerdings keiner. (...) Nach der Volksbefragung und der Beibehaltug der Wehrpflicht wurden wieder Reformpläne gewälzt. Der Präsenzdienst muss attraktiver werden, die Wünsche der Rekruten sind zu berücksichtigen. Da aber kein Geld da ist, kommt man nicht vom Fleck. Ob eine neue Reform wie ein Kaninchen aus dem Hut gezogen wird, ist fraglich. Eines hat sich schon herauskristallisiert: ein paar Panzer und einige Kanonen sollte man schon haben.

Es drängen sich Gedanken an die Reform 20XX auf, die so aussehen könnte: „Das Wehrgesetz tritt außer Kraft. Soldaten des Bundesheeres werden in den Ruhestand versetzt, abgefertigt oder zur Polizei überstellt. Das Zivildienstgesetz wird als Freiwilliges Sozialdienstgesetz bezeichnet.“ Utopie oder Realität? Die Zukunft wird es uns zeigen.

Stabswachtmeister a. D. Mag. Manfred Berger 


14.01.2015

Nie wieder "Call the Austrians"?

Ich bringe Oberst Paul Schneider und seinen Soldaten nach seinem beeindruckenden Bericht noch mehr uneingeschränkten Respekt entgegen. Was es bedeutet, monatelang bei indirektem und direktem Feuer zwischen zwei unüberschaubaren „Fronten“ zu liegen, wissen unsere tapferen Soldaten der letzten Golan-Kontingente. Wir Daheimgebliebenen können es wohl nur erahnen.

Vor diesem Hintergrund der bemerkenswerten Leistungen sind die Umstände, aus welchen Gründen die innenpolitische Entscheidung zum überfallsartigen Abzug der anerkannten Lead Nation Österreich getroffen wurde, umso beschämender. Eine Mischung aus parteipolitischem Angstgefühl, für mögliche Verluste die Verantwortung tragen zu müssen, und dem außenpolitischen Unvermögen, eine krisenhafte Entwicklung konsequent zu begleiten - und den absehbaren Abzug  bei den Vereinten Nationen diplomatisch vorzubereiten -, führte dazu, dass der ausgezeichnete Ruf österreichischer Auslandssoldaten auf dem tagespolitischen Altar geopfert wurde.

Das hohe Ansehen österreichischer Auslandskontingente - immerhin das außenpolitische Familiensilber der Republik - verscherbelte man aus innen- und außenpolitischem Unvermögen für ein paar Schlagzeilen. Der verbliebene Rest des Rufes wurde nachhaltig beschädigt. Werden wir es jemals wieder erleben, dass die internationale Gemeinschaft bei sensiblen Aufgaben ruft: „Call the Austrians“?

Mag. Richard Oster, 9010 Klagenfurt